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Liebe Leserinnen, liebe Leser
Gutes Personal ist selten. Neuerdings vor allem in den Führungsebenen. Und auch Chemnitz hält gut mit im bundesdeutschen Trend. Ganz so im großen Stil wie Ex-Mannesmann-Boss Klaus Esser oder so cool wie der einstige Chef der Bundesagentur für Arbeit, Florian Gerster, machen es unsere Kandidaten nicht. Aber immerhin: Der eine fälscht Dokumente, um sich den Direktoren-Posten im Kulturkaufhaus "Tietz" zu sichern. Der andere könnte schwören, dass er monatelang nicht wusste, was in seinem Haus so vor sich ging. Zumindest finanziell. Und dabei war das immer die große Stärke des Chemnitzer Generalintendanten. Er konnte rechnen, hatte die Administration im Griff und nach jeder Mittelkürzung einen Plan, wie's trotzdem weitergehen könnte. Doch nun ist der Etat um eine knappe Million Euro überzogen - und das Geschrei groß. Dabei hätte man schon seit Jahren brüllen müssen: Bekommen wir eigentlich eine angemessene künstlerische Qualität für das viele Geld? Aber nein. Danach fragt keiner, dafür gibt es keine Prüfberichte. Und so wird der Stadtrat - leider nach unserem Re-daktionsschluss - entscheiden, ob es nun mit oder ohne Rolf Stiska so weitergeht wie bisher.

Klug wäre natürlich, Stiska zu behalten. Eine neue Ausschreibung kostet nur Geld und bringt die Million auch nicht wieder herzu. Abgesehen davon kann einer, der sich in dieser miesen Situation für den Posten bewirbt und Rettung verspricht, nur ein Durchgeknallter oder ein Hochstapler sein. Danke, hatten wir schon! Also doch lieber Stiska - und zur Strafe ein bisschen freiwilligen Sozialdienst. Er sollte sich - sagen wir mal - hundert Stunden lang die Geschichten von Chemnitzern anhören, die mit ihren Firmen Insolvenz anmelden mussten. Weil sie sich irgendwann einmal verkalkuliert hatten, oder weil ein Auftraggeber nicht zahlte. Die fragt keiner, ob sie's ahnen konnten. Die bekommen keine Rückendeckung vom Oberbürgermeister. Denn die arbeiten mit ihrem privaten Kapital. Das ist der feine Unterschied. Und der macht wütend.

Nun aber viel Spaß im März und einen glücklichen Frühlingsanfang.

Die Redaktion.

infos · 29.07.2010
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