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Zwischen Tradition und Moderne
Zwei Brüder, "SuperTex", viele Probleme und noch mehr Leichtigkeit
"Ich bin ein Idiot, ich habe meinen Vater gehasst", klagt Max gleich zu Beginn. Man kann ihn schon verstehen, der Alte war ein Dickschädel, ein echter Tyrann obendrein. Immerhin, dieser Simon hat es zu etwas gebracht: vom kleinen, jüdischen Kleiderhändler zum großen Textilunternehmer. Seine Firma "SuperTex" macht mit Billigware gute Geschäfte. Max mag die Firmenpolitik des Vaters nicht, will weg vom Ramsch. Doch der Patriarch bleibt stur - wie immer. Max denkt an Kündigung.

ein konfliktscheuer kleiner Bruder Benjamin gibt wie gewohnt klein bei. Erst ein Schicksalsschlag mischt die Karten neu. Die beiden Brüder müssen nun die Geschäfte führen. Während der eine, der einstige Erbsenzähler auf seiner Dienstreise in Marokko spontan das Leben und die Liebe neu entdeckt, muss der stolze Siegertyp Max erst noch die Hürden einiger Sinnkrisen überwinden. Nach Vorlage des gleichnamigen Bestsellers vom holländischen Erfolgsautor Leon de Winter gelingt Jan Schütte ("Drachenfutter") ein eindrucksvolles Vater-Sohn-Drama, Sinnsuchen samt Liebes- und Identitätskrisen inklusive. Anders als im Roman ist die selbstironisch süffisante Darstellung jüdischer Befindlichkeiten eher nur Nebenschauplatz. Auch die literarischen Rückblenden mit Max auf der Psychiater-Couch sind im Kino einer linear erzählten, dramaturgisch gut gestrickten Geschichte gewichen.

Der hübsche Humor von Leon de Winter bleibt dennoch spürbar: vom stolzen Schwiegervater in spe, der seine Kanaldeckel bis in den Vatikan verkauft, bis zu Benjamins cleverer Geschäftsidee mit Dixi-Klos in Casa-blanca. Das psychologische Korsett der Figuren samt ihrer Konflikte wirkt plausibel und wird von einem visuell stimmigen Konzept in Cinemascope überzeugend unterstützt - Kameramann Edward Klosinski hat nicht umsonst schon bei Andrzej Wajda oder Krzyzstof Kieslowski für die Bilder gesorgt. Statt schwermütiger Familien-Saga entsteht so ein existenzialistisches Drama mit vergnüglicher Leichtigkeit.

Autor: Dieter Oßwald

infos · 29.07.2010
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