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Denn sie wissen nicht, was sie tun
"Was nützt die Liebe in Gedanken" ist voller Schönheit, Schmerz und Poesie
Romantische Ideale der gefährlichen Art pflegen die Oberschüler Paul und Günther. Am höchsten Punkt ihrer Existenz, so beschließen sie in den Statuten ihres Selbstmörderclubs, wollen sie aus dem Leben scheiden. Die Sehnsucht nach Liebe und Tod, Einmaligkeit und Größe liegt für die beiden Spätpubertierenden eng beieinander. Paul (Daniel Brühl), ein talentierter Träumer und angehender Dichter, kommt aus einfachem Hause und bewundert Günther (August Diehl) für den großbürgerlichen Lebensstil, den ihm seine reichen Eltern ermöglichen. Noch mehr himmelt er allerdings Günthers Schwester Hilde (Anna Maria Mühe) an, die sich als Sechzehnjährige ihrer Wirkung auf Männer durchaus bewusst ist. Gemeinsam verbringen sie ein Wochenende im Sommerhaus der Familie auf dem Land. Hilde spielt mit Pauls Gefühlen.

Da sich der Heranwachsende als unerfahrener Liebhaber erweist, neckt sie ihn mit einem Gedicht: "Was nützt die Liebe in Gedanken? Kommt die Gelegenheit, dann kannst du's nicht..." In Wahrheit ist die kesse Hilde in Günthers ehemaligen Liebhaber Hans (Thure Lindhardt) vernarrt. Bei einem rauschenden Sommerfest setzt sich die Achterbahnfahrt der Gefühle fort. Am nächsten Tag kommt es unter dem Einfluss von Alkohol, Schlafmangel und verletzten Gefühlen in der Berliner Stadtwohnung der Eltern zur Katastrophe. Der Film basiert auf einer wahren Geschichte. Regisseur Achim von Borries, der gemeinsam mit Hendrik Handloegten das Drehbuch schrieb, hat die Ereignisse der "Steglitzer Schülertragödie" von 1927 sorgfältig recherchiert und daraus ein packendes Drama gemacht, das weniger auf Zeitkolorit setzt, sondern eine allgemeingültige Geschichte über die Verwirrung der Gefühle und die Suche nach dem absoluten Glück erzählt. Das alles ist in fesselnden Bildern von beinahe hypnotischer Suggestivkraft eingefangen. Die Gratwanderung zwischen Schönheit und Schmerz lebt von einer besonderen Atmosphäre voller Poesie, die sich immer weiter aufschaukelt. Mit dem Mut zu exzessiven Emotionen handelt der hervorragend besetzte Film von der ewigen Frage, ob es bei der Liebe um die Beziehung zu einem anderen Menschen, um Macht und Dominanz oder um den schwärmerischen Gedanken an einen idealisierten Glückszustand geht.

Autor: Dorothée Lackner

infos · 29.07.2010
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