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Minimalistisches Meisterwerk
"Die Nacht singt ihre Lieder" über die Sehnsucht nach Liebe
Na endlich: Vier Jahre nach "Manila" hat Deutschlands rigorosester Regisseur Romuald Karmakar wieder genügend Fördermittel für einen neuen Kinofilm zusammengetrommelt. Diesmal kein leichter Stoff, zumal fürs Kino, handelt dieses Kammerspiel doch fast ausschließlich in der Wohnung eines jungen Paares in Berlin. "Ich halte das nicht mehr aus" schreit sie, die lebenslustige junge Mutter, gleich zu Anfang. Er hingegen, der verschrobene Autor ohne Erfolg, reagiert lethargisch wie gewohnt. Er liegt auf dem Sofa und liest. Und muss sich anhören, dass selbst die alten Freunde nicht mehr zu Besuch kämen, weil er so schrecklich langweilig wäre. Für den Nachmittag immerhin haben sich seine Eltern angesagt. Die Alten kommen freilich viel zu früh. Dafür bleiben sie, trotz fünf Stunden Anreise, nur fünf Minuten. "Aber ihr kommt zurecht" fragt der verlegene Vater. "Ich geh' noch schnell einkaufen" sagt die frustrierte Schwiegertochter. "Mach dir keine Umstände" meint es die Mutter gut - ein minimalistisches Meisterwerk der beklemmenden Sprachlosigkeit. Kaum ist der Besuch gegangen, wird weiter geschwiegen, geschmollt und geschrien. Die emotionale Lunte glimmt immer beängstigender.

Liebeslügen, Lebenskrisen. Halb trotzig, halb hilflos flieht die junge Mutter ins Nachtleben, "mit einer Freundin", wie sie sagt. Eifersüchtig steht er am Fenster und wartet. Und wartet. Klar, gibt es nach der sehr späten Rückkehr gleich wieder Streit. Aber auch eine Überraschung. Denn bald taucht Baste auf. Ein alter Bekannter: ihr neuer Freund?
Karmakar macht aus diesem Stoff einen ausgefeilten, präzisen Psychothriller über eine Beziehung, die sich nur noch im (Teufels)Kreis dreht. Mit formalem Einfallsreichtum nutzt er jeden (Kamera)Winkel der Wohnung aus. Mit Frank Giering und Newcomerin Anne Ratte-Polle hat er zwei überaus leinwandpräsente Akteure, die mit kleinen Gesten große Gefühle verbergen. Ein perfekter Film, der den bislang etwas exklusiven Karmakar "Romy"-Fanclub endlich erweitern dürfte.

Autor: Dieter Oßwald

infos · 29.07.2010
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