|
Altenpflege
Ronny Kruppa kümmert sich um die "Oldies der Straßenbeleuchtung"
"Papa, die Laterne ist kaputt, die musst du wieder bauen", sagt Laura, die vierjährige Tochter von Ronny Kruppa. Ihr größter Wunsch ist es, dem Vati dabei einmal über die Schultern zu schauen. Und auch wenn für viele der Beruf des Spezialmonteurs für Gas nicht gerade zu den Traumjobs zählt, für Laura wird ihr Papa dadurch zum Helden. Manch anderer, der im Lutherviertel oder auf dem Schloßberg wohnt, staunt vielleicht auch über diesen Mann. Denn zweimal im Jahr kommt der 31jährige mit Leiter, Eimer und Lappen vorbei, um den alten Gasleuchten neuen Glanz zu geben. Frisch geputzt, können sie ihre Umgebung wieder ins rechte Licht tauchen. Derzeit machen 680 "strahlende Ladies" die Chemnitzer Nächte romantisch. Doch nach und nach werden die "Oldies der Straßenbeleuchtung" weniger, denn günstiger Strom erhellt die dunklen Ecken der Stadt und verdrängt Schummerlichter.
Derweil ist auch die beste Gaslaterne nicht mehr das, was sie früher mal war. Ein eingebautes elektrisches System mit Dämmerungsschalter ersetzt einen ganzen Arbeitsplatz. Schade! Anheimelnd war es anno dazumal bestimmt, als ein Laternenanzünder im langen Wollmantel pfeifend durch die Straßen spazierte und Licht ins Dunkel brachte. Zugegeben, das ist vielleicht ein ganzes Stück zu nostalgisch gedacht, denn Ronny Kruppa kennt diese "gute alte Zeit" noch. Er weiß, dass es nicht immer ein Spaß war, bei jedem Mistwetter für nächtliche Sicht zu sorgen. Als 1988 die Gaslaternen auf Dauerbetrieb geschaltet wurden, war er nicht gerade verärgert darüber. Heute macht ihm etwas ganz anderes Sorgen.
Der gelernte Gas- und Wärmenetzmonteur hat Angst um seinen Arbeitsplatz. Für ihn wäre Strom nicht länger gut und günstig, wenn er den orangefarbenen Overall mit der Aufschrift "Stadbeleuchtung Chemnitz" dafür an den Nagel hängen müsste. Viermal teurer ist der Verbrauch einer Gaslaterne gegenüber einer modernen, elektrischen Leuchte! Altenpflege hat selbst bei den Stadtwerken ihren Preis. Kein Wunder also, dass manche "Lady" ohne Zeremoniell und großes Aufsehen zu Grabe getragen wird. Was aber, wenn in Ronny Kruppas Abteilung wirklich das Licht gelöscht wird? Dann setzt sich der Handwerker nochmals auf die Schulbank - und diesmal, um einen Bürojob zu erlernen. Für die nächsten Jahre allerdings bleibt zu hoffen, dass der Heiratsantrag an seine Freundin wahrscheinlicher ist als die Umschulung vom Arbeitsamt.
Autor: Heike
|