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Chemnitz bleibt Chemnitz
Nachdem die Stadt nun T-Shirts und Taschen zur Förderung des städtischen Images vorgestellt hat, ist der Zorn kaum zu bändigen. Wann endlich begreift in der CMT mal jemand, dass eine Stadt die vermehrte Ansammlung von Menschen ist - und, glaubt man der Wissenschaft, sind diese auch in der Lage zu denken. Also Schluss jetzt mit hirnlosen Kampagnen, fordert das Volk.
Was ist das nur mit diesem elenden Zwang zum Wortwitz! Die gesamte Werbebranche frönt ihm seit Jahrzehnten, und es ist einfach nicht mehr witzig. IKEA hatte in einem frühen Stadium einmal damit begonnen: "Ja, wo gibt’s denn Sofas?" - und das war eine Zeit lang lustig. Aber schließlich kam keine Berufssparte mehr daran vorbei, und so wurde alles in Grund und Boden gewitzelt und sprachgespielt. Noch die harmloseste Bodenverlegefirma wurde geistreich - "Mit uns betreten sie neue Böden" - und die Friseure wurden gnadenlos: Die "Kopfnote" hat noch Witz, "Haarmonie" ist schon hart, aber die neueste Chemnitzer Eröffnung nennt sich "CreHAARtiveck" - ja, muss man zweimal lesen. Besonders liebe ich auch die völlig automatisch gewordenen Zusammensetzungen mit art - verzeiht: das "HeckArt" eingeschlossen, deren Zahl inzwischen ins Aschgraue geht. Und jetzt sollen Chemnitzer und andere für diese Stadt werben mit dem Schriftzug CHMEINTZ. Die will ich sehen!
Eske Bockelmann
Susi Meier, per Mail an Stadtstreicher
...Eine Stadt der Moderne könnte vielleicht auf die Idee kommen, sich mal mit den Themen Klimafreundlichkeit, Umweltschutz oder auch Menschenrechte auseinanderzusetzen. Wie wäre es mit etwas ganz Innovativem: ein Shirt aus Bio-Baumwolle, fair hergestellt und mit einer echten Vorbildfunktion für andere Institutionen im Regierungsbezirk? Zu verrückt? Ja, sorry, war nur mal ’ne Idee .
Steffen Jacob, PUNKT 191 Marketing & Design, per Mail an Stadtstreicher ...Der neueste Streich der CMT, dem geneigten Chemnitzer die Identifikation mit seiner Heimatstadt per T-Shirt und Tasche überzustülpen, ist an Plattheit kaum noch zu übertreffen. Die Bürger von Schilda konnten noch über ihre Streiche lachen und sind in die Geschichte eingegangen. Mir kommen bei dieser Kampagne höchstens die Tränen. Bis jetzt ist der vom Steuerzahler und geneppten Sponsor bezahlte Unfug noch in der Stadt geblieben. Bleibe es uns erspart, dass die zehn Trucks von Schencker die Chemnitzer auch außerhalb ihrer Stadtmauer blamieren.
Frank Arnold, Arnold Design, per Mail an Stadtstreicher Das neue Logo versucht sich an einer seit langer Zeit bestehenden Aufgabe. Die Quadratur des Kreises gehört nicht nur in der Mathematik zu den populärsten Problemen. Der Begriff "Quadratur des Kreises" ist zu einer Metapher für eine unlösbare Aufgabe geworden. Auch bei der Logogestaltung kann es zu einigen Problemen führen, Kreis und Quadrat zum "Kreirat" zu vereinigen. Der bisher verwendete Kreis, mit dem sichtbaren Verweis auf das Copyright-Zeichen, wird durch eine unklare Kombination aus Kreis und Quadratform ersetzt. Die zerstörerischen Anschnitte der Kreisform führen zu einer nicht defnierbaren Restform. "Natürlich" ist das "C" der Bildmarke ein anders "C" als das der Wortmarke. Warum die Stadt Chemnitz ihre bisherige Hausschrift "FF Meta", die 1991 von einem der besten Schriftgestalter Deutschlands, Erik Spieckermann, entwickelt und von Fachleuten als moderner Klassiker gelobt wird, bereits wieder ablösen will, bleibt rätselhaft.
Gestalterisch ungenügend ist die neue Wortmarke. Der neue Claim "Stadt der Moderne" steht in zu großer Konkurrenz zum Name Chemnitz. Die beiden verwendeten unterschiedlichen Schriftschnitte schaffen nicht genügend Unterscheidungspotential. Was ist wichtiger? Chemnitz oder der Slogan? Der optische Ausgleich der Buchstaben, eine typografische Herausforderung, ist vollständig misslungen. Eine einengende Typografe beim Schriftzug Chemnitz, ohne optischen Weißausgleich, steht in einem merkwürdigen Kontrast zum gedehnt geschriebenen Begriff "Stadt der Moderne". Hauptsache Blocksatz, egal wie es aussieht.
Wolfram Junge, BASEG werbung + kommunikation GmbH, per offenem Brief an die Oberbürgermeisterin
Wann hätte es eine bessere Chance gegeben, mit den Chemnitzer Bürgern über ihre Stadt und das neue Leitbild zu diskutieren, als im Vorfeld der Erscheinung für die Kampagne?
Chemnitz besitzt mit dem "C", das 1995 von Melle.Pufe im Rahmen einer hervorragenden Kampagne (die leider nie zum Tragen kam) vorgeschlagen wurde, ein prägnantes, über die Jahre "gelerntes" Logo, das allen Anforderungen an die Stadt der Moderne gerecht wird. Sie haben ein neues - meines Erachtens deutlich schlechteres - Logo an Stelle des "C" ohne jede Bürgerbeteiligung eingeführt. Für diese "Zeichensetzung" nehmen Sie erhebliche finanzielle Zusatzbelastungen in Kauf, die ggf. zur Gestaltung einer lebendigen Stadt der Moderne hätten eingesetzt werden können....Als Vorsitzender der Marianne Brandt Gesellschaft erlaube ich mir den Hinweis, dass es die "Stadt der Moderne" trotz mehrfacher Bitte bis heute nicht geschafft hat, die Marianne Brandt Gesellschaft mit einem Eintrag auf Ihrer Internetpräsentation zu nennen.... Mit Blick auf die Überalterung unserer Stadt frage ich Sie zum Anschluss: Was empfehlen Sie mir als Antwort, wenn ich von meinen Kindern gefragt werde, ob sie in Chemnitz eine Zukunft haben. Von den Plakaten habe ich keine Antwort bekommen.
Jens, Forum auf sachsen-fernsehen.de ....Ich bin empört. Quast sofort fristlos kündigen, wegen Rufschädigung und die CMT und CWE auflösen. So eine Sch.... Habe ich noch nie gesehen! Bestimmt startet jetzt Frau Ludwig eine Plakat-Aktion und erklärt den dummen Chemnitzern die Shirts! Packt die gedruckten Dinger ein und spendet die dem DRK.
Stuelpner, Forum auf sachsen-fernsehen.de Es mag durchaus Situationen geben, wo die bewusste kreative Provokation zum (Nach)denken anregt und sich ein positiver Aha-Effekt ergibt. Aber: Auch wenn ich neuen, ungewohnten Ideen und Denkansätzen im Allgemeinen offen gegenüber stehe - hier kann ich nur eines erkennen: Einen Missbrauch von Geldern der Stadt, um diese durch den sprichwörtlichen Kakao zu ziehen. Ich würde diese Sachen nicht mal erwerben, wenn ich 10 bzw. 25 Euro dazu bekäme!
Knallfrosch, Forum auf sachsen-fernsehen.de Das ist kein Quatsch, das ist ein "QUASTch". Man kann die Latte noch so tief legen, es gibt immer einen "QUASTch" der unten durch kriecht.
Bienchen, Forum auf sachsen-fernsehen.de Und auf der Brückenstraße steht das CHMEINTZELMÄNNCHEN.
Die Macher von Chemnitz-zieht-weg
Warnung vor den Chmeintzern: ....Die Verständigung mit Ihnen ist momentan noch recht schwierig. Sie scheinen die Sprache der Chemnitzer Bevölkerung nicht zu verstehen. Falls sie dennoch von einem dieser Exemplare angesprochen werden und zum Kauf einer ihrer Uniformen angehalten werden, antworten sie am besten mit: Balu ist nhict miene frabe. Balu tis nhict mien dnig.
Chembürger, Forum auf chemnitz-zieht-weg.de CHMEINTZ wie´s sinkt und lacht. Ein genialer Schachzug ist heute der CMT "City- Management und Tourismus Chemnitz GmbH", unter der Leitung ihres Chefstrategen und visionären Vordenkers Michael Quast gelungen. Nachdem die Stadt der Moderne versunken ist, bevor sie zum Leben erwecken konnte, ist nun Chemnitz über Nacht in die Liga der pulsierenden rheinischen Hochburgen katapultiert worden. Es liegt manchmal so nahe, man nehme die Buchstaben seiner Stadt aus einem Scrabble-Spiel und mische solange bis irgendetwas anderes dabei rauskommt. In Chemnitz steckt CHMEINTZ! Wie konnten wir das nur übersehen?? Es muss wohl an der allseits bekannten Betriebsblindheit gelegen haben, dass uns Chemnitzern das bislang noch nicht aufgefallen ist. Zum Glück hat der weitsichtige, seiner Zeit vorauseilende Stadtmarketingchef eine Leipziger Agentur engagiert, die den nötigen "Blick von außen" einbringen konnte.
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